Die ukrainische Armee wird wohl bereits in wenigen Wochen die ersten Bars-Marschflugkörper-Drohnen aus einer neu errichteten Produktion in Deutschland erhalten. Das geht aus einem heute veröffentlichten Interview zwischen RBC-Ukraine und dem nicht namentlich genannten ukrainischen Hersteller des Waffensystems hervor.
So soll das öffentlich bislang unbekannte Unternehmen bereits ein Gemeinschaftsunternehmen in Europa etabliert haben, welches mit der Produktion der Bars in Kürze beginnen soll. Laut Planung soll die erste Tranche ab dem 10. Oktober an die ukrainischen Streitkräfte ausgeliefert werden.
Während Deutschland als Standort für das Gemeinschaftsunternehmen zwar nicht explizit erwähnt wird, müsste es sich öffentlich verfügbaren Informationen zufolge dennoch um eine Produktion in Deutschland handeln.
Diese geht auf ein deutsch-ukrainisches Abkommen zurück, welches von Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius und dem ukrainischen Außenminister Andrij Sybiha am Rande des jüngsten NATO-Gipfels in Ankara am 8. Juli 2026 unterschrieben wurde.

Über weitere Produktionen, die in anderen europäischen Ländern etabliert wurden, ist nichts bekannt, sodass davon auszugehen ist, dass es sich bei der heutigen Ankündigung um die bereits bekannte Produktion in Deutschland handeln muss.
Was ist die Bars?
Bei der Bars handelt es sich um einen Hybrid aus Marschflugkörper und Drohne, dessen Entwicklung 2023 inmitten des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine begann.
Laut dem ukrainischen Hersteller, der aus Sicherheitsgründen öffentlich nur anonym auftritt, hat der Marschflugkörper-Drohnen-Hybrid in der neuesten Version eine Reichweite von bis zu 1.000 Kilometern, besitzt einen 60 Kilogramm schweren Gefechtskopf und erreicht Fluggeschwindigkeiten von bis zu 700 Kilometern pro Stunde.
Von der Bars existieren mindestens drei Varianten, je unter anderem mit einem anderen Verhältnis zwischen Gefechtskopf und Treibstoffmenge, welche von den ukrainischen Streitkräften basierend auf dem jeweiligen Einsatzszenario ausgewählt und eingesetzt werden können.
Aufgrund der inzwischen enorm ausgebauten Reichweite und einer vergleichsweise hohen Fluggeschwindigkeit trotz eines 60 Kilogramm schweren Gefechtskopfes wird die Bars für ukrainische Angriffe auf militärische Ziele etwa innerhalb des international anerkannten russischen Territoriums immer interessanter.
Ein Blick in die Vergangenheit
Auch deswegen gab es Recherchen der WELT zufolge bereits 2025 Pläne, die Produktion der Bars in der Ukraine zu finanzieren. Dies sollte im Rahmen des im Mai 2025 angekündigten militärischen Hilfspakets im Wert von knapp fünf Milliarden Euro geschehen.
Ob entsprechende Verträge am Ende auch unterschrieben und finanziert wurden, ist allerdings nicht öffentlich bekannt, was selbstverständlich heutzutage nicht viel heißen muss. Andere im Rahmen der Recherchen erwähnte Waffensysteme wurden nachweislich finanziert.
Nun geht die Ukraine den nächsten Schritt und verlagert mit finanzieller Unterstützung der Bundesregierung die Produktion nach Deutschland.
Unter Berücksichtigung anderer bereits etablierter deutsch-ukrainischer Gemeinschaftsunternehmen dürfte die grobe Arbeitsteilung wie folgt aussehen: Der deutsche Rüstungspartner stellt die industrielle Infrastruktur sowie die Produktionsprozesse bereit, während das ukrainische Unternehmen die lizenzierten Designs für die Produktion liefert und die Ausbildung des Personals übernimmt.
Doch wie das Gemeinschaftsunternehmen genau aufgebaut ist, welche Mengen dort künftig für die Ukraine produziert werden sollen und welche Summen die Bundesregierung für das Projekt jedes Jahr bereitstellt, ist nicht bekannt.
Wie bereits erwähnt, herrschte vom ersten Tag an größte Geheimhaltung rund um den Hersteller und seine Produkte, wie beispielsweise die Bars. Offensichtlich dürfte allerdings sein, dass eine im Ausland etablierte Produktion nicht nur eine vergleichsweise sehr sichere Produktion und regelmäßige Lieferungen an die Ukraine garantiert, sondern auch die Liefermengen, welche die ukrainischen Streitkräfte erreichen, umfangreich ausbaut.
Schlechte Nachrichten also für Rüstungsunternehmen und andere militärische Hochwertziele innerhalb Russlands und der temporär besetzten Gebiete der Ukraine, welche möglicherweise schon bald ungewollten Besuch von einem in Deutschland produzierten Marschflugkörper-Drohnen-Hybrid bekommen werden.
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