Die Ukraine hat offenbar bereits vor einiger Zeit eine unbekannte Anzahl von älteren Fliegerbomben aus Beständen der Bundeswehr erhalten. Darauf lässt sich durch veröffentlichtes Bildmaterial der ukrainischen Streitkräfte schließen, welches GAU bei Recherchen entdeckt und ausgewertet hat.
Bei den Fliegerbomben handelt es sich laut der Beschriftung um sogenannte 250 Kilogramm schwere „Type 25E“-Sprengbomben aus französischer Produktion.
Aufgrund der Tatsache, dass diese Bomben mehrere Jahrzehnte alt sind, lässt sich inzwischen kaum noch etwas online zu diesem Thema finden und auch Anfragen beziehungsweise Gespräche mit Experten, Rüstungsjournalisten und dem deutschen Verteidigungsministerium brachten keine Klarheit über die Historie der Bomben bei der Bundeswehr.
Auf GAU-Anfrage teilte immerhin ein Sprecher des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr am Standort Flugplatz Berlin-Gatow mit, dass die SAMP Type 25E-Sprengbomben (später auch MATRA) Ende der 1970er Jahre zusammen mit dem Alpha Jet in die Bundeswehr eingeführt wurden. Konkret wäre das 1979.
Allerdings wurden sogenannte MATRA‑Bomben mit der exakt gleichen Beschriftung und äußerlichen Bauweise bereits 1975 bei der Bundeswehrübung „Stählerner Schatten“ mit dem F-104 Starfighter und dem G.91 eingesetzt.




Es scheint also, dass die SAMP Type 25E beziehungsweise MATRA Type 25E schon mindestens vier Jahre zuvor, möglicherweise sogar noch früher, für die Bundeswehr beschafft wurden. In jedem Fall lässt sich dadurch aber sagen, dass die Bomben aus der Zeit des Kalten Krieges stammen und vor mindestens einem halben Jahrhundert in die Bundeswehr eingeführt wurden.
Auch veröffentlichte die Bundeswehr im Jahr 2015 Bildmaterial, welches den Abwurf von MATRA-Bomben durch den Tornado zeigt, was bedeutet, dass die Bundeswehr die Fliegerbomben zumindest vor 11 Jahren noch aktiv im Rahmen von Übungen nutzte.
Wann und wie diese Fliegerbomben ihren Weg in den Besitz der ukrainischen Streitkräfte fanden, ist nicht klar. Auf Anfrage wollte sich weder das deutsche Verteidigungsministerium, noch das Militärhistorische Museum der Bundeswehr am Standort Flugplatz Berlin-Gatow dazu äußern.
Klar ist nur, dass die ehemals deutschen Sprengbomben spätestens im Februar 2025 an die Ukraine geliefert wurden und dies höchstwahrscheinlich im Rahmen der deutschen Militärhilfe geschah.
Schließlich ist es mehr als nur zweifelhaft, dass die Ukraine selbst oder ein anderes Land jahrzehntealte Fliegerbomben, welche im Rahmen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine keine reale Einsatzperspektive haben, von Deutschland kaufen würde.
Am wahrscheinlichsten ist es wohl, dass die Kosten für die Lagerung, Ausmusterung und spätere Entsorgung der Type 25E‑Fliegerbomben jene Kosten überstiegen haben, welche für den Transport in die Ukraine anfielen, und man sich daher zur Abgabe entschieden hat. Ähnliche Forderungen gab es bereits 2024 in Bezug auf AMRAAM-Lenkflugkörper aus Beständen der Bundeswehr, welche im vergangenen Jahr hätten ausgemustert werden müssen.
Wie bereits erwähnt, haben die Fliegerbomben vom Typ „Type 25E“ im Kontext des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine bei der Luftwaffe keinerlei reale Einsatzperspektive, da die Bomben im Tiefflug von weniger als 100 Metern direkt über ihrem Ziel abgeworfen werden müssten, wo sie dann durch einen Fallschirm gebremst einschlagen würden.
Daher wurden sie wohl zweckentfremdet und laut dem veröffentlichten Bildmaterial von dem 250. Ingenieurunterstützungszentrum der Streitkräfte zur Verminung von Brücken in der Ukraine eingesetzt.

Eine wirklich interessante Wahl, wenn man bedenkt, dass man aufgrund des Gewichts der Fliegerbomben (250 Kilogramm) sowohl für den Transport als auch für die Montage spezielles Gerät wie einen Lastkraftwagen mit einem Kran benötigt.
Wie viele Type 25E-Fliegerbomben aus deutschen Beständen an die Ukraine geliefert wurden, ist nicht bekannt. Allerdings kann davon ausgegangen werden, dass es sich aufgrund des Alters der Fliegerbomben um keine große Anzahl handeln dürfte.
Auch wurde durch die ukrainischen Streitkräfte weder vor Februar 2025 noch danach zusätzliches Bild- oder Videomaterial veröffentlicht, welches weitere Einsätze zeigt, sodass man aktuell zusätzlich zu dem bereits Erwähnten keine weiteren Schlüsse ziehen kann.
Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat, folge GAU doch auf X, Bluesky, Telegram, YouTube oder unserem neu erstellten WhatsApp-Kanal. Wenn du magst, kannst du GAU auch ein Trinkgeld über Ko-fi dalassen.


