Um den eigenen Truppen das Überqueren von Flüssen und Kanälen mit schwerem Gerät zu ermöglichen, setzen Pionierkräfte häufig auf sogenannte Pontonbrücken, welche mit verschiedensten Systemen innerhalb kürzester Zeit aufgebaut werden können.
Eines dieser Systeme ist das amphibische Brücken- und Fährensystem M3, welches unter anderem bei der Bundeswehr eingesetzt wird. Durch veröffentlichtes Bild- und Videomaterial bestätigt nun auch die ukrainische Armee die Nutzung des Systems.
Neben dem Bau von Pontonbrücken kann die M3 auch im Fährbetrieb genutzt werden, der insbesondere bei der Überquerung von besonders breiten Gewässern relevant wird.
Für die Überquerung eines 100 Meter breiten Gewässers werden beispielsweise bereits acht Systeme benötigt, was mit Abschluss der Lieferungen fast der gesamten öffentlich bekannten ukrainischen Kapazität entsprechen würde. Nach Auskunft der Bundeswehr könnte eine solche Brücke innerhalb einer Stunde rund 250 Fahrzeuge übersetzen.
Zugesagt wurden die ersten sechs amphibischen Fahrzeuge in einem im März 2023 von den Niederlanden angekündigten militärischen Hilfspaket. Weitere vier Fahrzeuge wurden etwa ein Jahr später im März 2024 vom deutschen Verteidigungsminister Boris Pistorius im Rahmen eines UDCG-Treffens versprochen.
Während bekannt ist, dass die Niederlande Fahrzeuge über die Industrie finanzieren wollten, ist bislang nicht bekannt, ob die „deutschen M3“ aus Beständen der Bundeswehr kommen sollten, oder die Bundesregierung plante, ebenfalls Systeme über die Industrie zu finanzieren.



Die bislang veröffentlichten Fotos und Videos der ukrainischen M3-Systeme, welche im Dienst der 211. Pontonbrückenbrigade stehen, lassen aufgrund der fehlenden Tarnung zumindest keinen Rückschluss auf einen Ursprung aus Beständen der Bundeswehr zu.
Auch wann genau das erste Brücken- und Fährensystem M3 bei den ukrainischen Streitkräften in Dienst gestellt wurde, ist nicht bekannt. Das älteste veröffentlichte Bild- und Videomaterial, welches GAU im Laufe der Recherchen identifizieren konnte, geht auf Dezember 2025 zurück, zeigt aufgrund der Vegetation aber offenbar einen Zeitpunkt vor Dezember vergangenen Jahres.
Zumindest theoretisch ist es durchaus möglich, dass die Ukraine die M3 bereits seit Ende 2023 einsetzt. So veröffentlichte die Bundeswehr beispielsweise im Oktober 2023 ein Video über die sechswöchige Ausbildung ukrainischer Soldaten am System in Deutschland, welche auch durch britische Soldaten unterstützt wurde.
Ein ukrainischer Soldat, der im Ausbildungsvideo zu Wort kam, sagte damals, es gehe aktuell darum, den Dnepr zu überwinden und schweres Gerät und Fahrzeuge über den Fluss zu verlegen. Durchaus vorstellbar also, dass die M3 etwa bei der Schlacht um Krynky eingesetzt wurde, welche zwischen Oktober 2023 und Juli 2024 stattfand und mit einem russischen Sieg endete.
Dem veröffentlichten Bildmaterial zufolge scheint die Ukraine mindestens drei der zehn zugesagten Systeme erhalten zu haben. So sind auf einem der im Laufe der vergangenen Monate veröffentlichten Fotos gleich drei Fahrzeuge nebeneinander am Rande eines Gewässers zu sehen.

Abschließend sollte noch darauf hingewiesen werden, dass sämtliches bislang veröffentlichtes Bild- und Videomaterial der 211. Pontonbrückenbrigade offenbar reines Training in der Ukraine zeigt und keinen tatsächlichen Einsatz in Frontnähe. Auch sind auf keinem der Fotos oder Videos Fahrzeuge zu sehen, welche per Brücke oder Fähre von einem Ufer auf das andere übergesetzt wurden.
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