Seit inzwischen etwa neun Monaten hält sich die Bundesregierung an die von Bundeskanzler Friedrich Merz geforderte Kommunikationsrichtlinie und gibt nur noch in Ausnahmefällen Auskunft über die eigene militärische Unterstützung der Ukraine.
Diese Praxis erschwert unter anderem eine professionelle Einordnung der Unterstützung erheblich, sodass neue Lieferungen oft erst sichtbar werden, wenn das Material im Einsatz genutzt und Bild- sowie Videomaterial von den Einheiten in sozialen Netzwerken geteilt und anschließend von journalistischen Projekten wie GAU dokumentiert wird.
Das ist auch hier der Fall. Jüngst auf Facebook veröffentlichte Bilder deuten nun darauf hin, dass Vector-Drohnen des deutschen Herstellers Quantum Systems neuerdings bei der 24. Mechanisierten Brigade eingesetzt werden, welche aktuell in der Umgebung von Tschassiw Jar operiert.
Bei der Vector handelt es sich um eine hochmoderne eVTOL-Aufklärungsdrohne aus ursprünglich deutscher Produktion, welche bereits in den ersten Monaten der vollständigen russischen Invasion der Ukraine aufseiten der ukrainischen Streitkräfte effektiv eingesetzt wurde und seitdem ein fester Bestandteil diverser ukrainischer Einheiten geworden ist.

Seit einiger Zeit werden die Aufklärungsdrohnen von Quantum Systems auch direkt vor Ort in der Ukraine gefertigt.
Bekannt ist die Vector unter anderem für ihren Einsatz bei der Schlacht am Siwerskyj Donez. Im Mai 2022 versuchten russische Einheiten den Siwerskyj Donez mithilfe mehrerer Pontonbrücken zu überqueren, um entscheidend bei der Schlacht um die bereits damals stark umkämpfte Stadt Lyman einzugreifen.
Auch durch den Einsatz der vergleichsweise sehr modernen Aufklärungsdrohnen vom Typ Vector konnten nicht nur die Brücken, sondern auch russische Nachschubbewegungen und Truppenansammlungen selbst während des intensiven Einsatzes russischer Rauchgranaten aufgeklärt werden.
Entsprechende Informationen wurden an ukrainische Artillerieeinheiten weitergegeben, welche wiederum das Areal unter schweren Beschuss nahmen.
Insgesamt starben über mehrere Tage hinweg je nach Quelle etwa 500 bis 1.500 russische Soldaten, während mindestens 50 gepanzerte Fahrzeuge vollständig zerstört oder zurückgelassen werden mussten.
Die Vector bei der 24. Mechanisierten Brigade
Bei der 24. Mechanisierten Brigade wird die Vector wie im weiter oben erwähnten Beispiel zur Artillerieaufklärung eingesetzt.
Sehr einfach erklärt suchen ukrainische Drohnenpiloten mit der Vector in ihrem Einsatzgebiet nach gegnerischen Stellungen, logistischen Fahrzeugen, Waffensystemen wie Artilleriegeschützen und anderen Zielen und geben die jeweiligen Koordinaten meist an die eigene Artillerie weiter.

In diesem Fall wären das unter anderem Artilleriesysteme vom Typ M109L oder 2S22 Bohdana, welche Ziele üblicherweise in einer Reichweite von etwa 40 Kilometern effektiv bekämpfen können.
Während des Beschusses bleibt die Vector im Einsatzgebiet, wodurch die ukrainischen Drohnenpiloten nicht nur den Schaden am Ziel einschätzen, sondern wenn nötig auch den Beschuss korrigieren können.
Wie viele der Drohnen von Quantum Systems die 24. Mechanisierte Brigade inzwischen einsetzt, ist nicht bekannt. Auch nicht, wer für die Lieferung verantwortlich ist.
Zwar ist es gut möglich, dass die Drohne im Rahmen der deutschen Militärhilfe an die ukrainische Brigade geliefert wurde, immerhin wurden allein bis Juni 2025 mehr als 700 von Deutschland finanzierte Vector-Drohnensysteme in die Ukraine geliefert, doch könnte die Brigade die Drohne auch über den BRAVE1-Marktplatz oder andere Kanäle beschafft haben.
Auf diesem können ukrainische Einheiten militärische Ausrüstung mithilfe von „e-Punkten“ kaufen, welche sie durch militärische Erfolge verdienen können.

Ein vollständiges Vector-Drohnensystem, bestehend aus drei Aufklärungsdrohnen und der gesamten erforderlichen Ausrüstung zum Betrieb und zur einfachen Wartung vor Ort, kostet dort aktuell umgerechnet rund 262.000 Euro.
Erst kürzlich gab Quantum Systems bekannt, dass die Vector aufgrund der hervorragenden Performance im BRAVE1-Marktplatz mit dem dritten Platz für ISR-Systeme (Intelligence, Surveillance und Reconnaissance) beim „Army of Drones 2025“-Event ausgezeichnet wurde.
Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass die Brigade selbst unabhängige Direktkäufe getätigt hat.
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