Auch in dem in Kürze bevorstehenden vierten Kriegswinter wird die Ukraine wieder massiv unter regelmäßigem nächtlichen Angriffen durch Russland leiden müssen.
Bereits seit einigen Wochen intensiviert die russische Armee ihren Terror mit Drohnen, Marschflugkörpern, ballistischen Raketen und anderen todbringenden Gefahren und geht dabei vermehrt gezielt gegen die ukrainische Energieinfrastruktur vor.
Das Ziel ist klar. Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer sollen von der Strom-, Heizungs- und Wasserversorgung abgeschnitten werden. Das kann gravierende militärische und wirtschaftliche, aber auch gesellschaftliche Folgen nicht nur für die Ukraine, sondern für ganz Europa haben. Folgen, die den russischen Machthaber Wladimir Putin in seiner Position stärken.
Um dem entgegenzuwirken, legt die Bundesregierung nicht nur großen Wert darauf, die ukrainische Energieversorgung zu dezentralisieren, sondern auch darauf, die ukrainische Armee umfangreich mit Luftverteidigungssystemen, Munition und anderer Ausrüstung zu unterstützen, die zur Abwehr der nächtlichen Angriffe benötigt wird.
Eines dieser durch die Bundesregierung bereitgestellten Luftverteidigungssysteme ist das vom deutschen Rüstungsunternehmen Diehl Defence hergestellte und europaweit hochgeschätzte „IRIS-T SLM“.
Zum aktuellen Zeitpunkt befinden sich bereits acht Feuereinheiten des Systems in der Ukraine rund um die Uhr im Einsatz, um den ukrainischen Luftraum insbesondere gegen russische Marschflugkörper zu sichern.
Die Bundesregierung hat bereits zugesagt, in Zukunft weitere zehn Feuereinheiten bereitzustellen, darunter zwei weitere in diesem Jahr. Eine mit den Lieferungen vertraute Quelle hat mir nun jedoch bestätigt, was ich bereits seit einigen Monaten vermute: Die Zusage für dieses Jahr wird nicht eingehalten werden können.
Zwar wird noch vor Jahresende eine weitere IRIS-T SLM-Feuereinheit (die dritte in diesem Jahr) an die Ukraine geliefert, doch erfolgen weitere Lieferungen erst im kommenden Jahr. Damit bleibt die Bundesregierung der Ukraine vorerst eine zusätzliche Feuereinheit schuldig.
Zusage erst in diesem Jahr erhöht
Interessant ist, dass die Anzahl der für dieses Jahr zugesagten Feuereinheiten erst im Frühling erhöht wurde. Denn noch im vergangenen Jahr sprach man von drei für 2025 zugesagten Feuereinheiten.
Während des ersten UDCG-Treffens unter deutsch-britischem Vorsitz im April 2025 gab das Bundesverteidigungsministerium in einer Pressemitteilung bekannt, dass in diesem Jahr unter der Aufwendung zusätzlicher Mittel, welche kurz zuvor für die militärische Unterstützung der Ukraine zur Verfügung gestellt wurden, unter anderem auch vier IRIS-T-Luftverteidigungssysteme, einschließlich 300 Lenkflugkörper, an die Ukraine geliefert werden sollen.
Zusammen mit den zuvor für 2025 zugesagten Feuereinheiten, deren Produktion mit zuvor bereitgestellten Mitteln finanziert worden ist, hätte das die Lieferung von insgesamt sieben Feuereinheiten in diesem Jahr bedeutet.
Einige Tage später jedoch korrigierte das Bundesverteidigungsministerium einen Artikel über das UDCG-Treffen und die Zusage zusätzlicher militärischer Ausrüstung und gab bekannt, dass von den vier neu zugesagten Feuereinheiten nur eine in diesem Jahr geliefert werden soll, wodurch sich die Lieferzusage insgesamt auf vier IRIS-T SLM-Feuereinheiten erhöht hat.
„Jetzt kommt also im Jahr 2025 ein viertes IRIS-T-System dazu. Alle vier können 2025 geliefert werden“, so das Bundesverteidigungsministerium.
Unter dem ehemaligen Bundeskanzler Olaf Scholz wurde in diesem Jahr allerdings überraschend zunächst keine einzige Feuereinheit an die Ukraine ausgeliefert. Es dauerte ganze sechs Monate, bis im Juni die erste für dieses Jahr zugesagte IRIS-T SLM-Feuereinheit in der Ukraine in Dienst gestellt wurde.
Im August berichtete ich dann exklusiv, dass eine weitere eingetroffen ist. Doch bereits damals brachte ich meinen Zweifel zum Ausdruck, dass die öffentliche Zusage für dieses Jahr eingehalten werden kann. Zweifel, die sich inzwischen bestätigten.

Auf Anfrage wollte sich weder das Bundesverteidigungsministerium (aus Gründen der militärischen Sicherheit) noch Diehl Defence (aus Vertraulichkeitsgründen) zu den Einzelheiten der Lieferverzögerungen äußern.
Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums teilte mir allerdings unter anderem mit, dass die Bundesregierung uneingeschränkt an dem Ziel festhält, die für die Verteidigung der Ukraine nötigen Mittel bereitzustellen, und man sich dazu mit den ukrainischen Stellen im ständigen Austausch befinde.
Es ist also davon auszugehen, dass jene Stellen längst wissen, dass Deutschland in diesem Jahr seinen Lieferverpflichtungen nicht vollständig nachkommen werde – zumindest was IRIS-T SLM betrifft.
So berichtete ich erst kürzlich, dass beispielsweise sämtliche für dieses Jahr zugesagten Luftverteidigungssysteme vom Typ „Skynex“ bereits in der Ukraine im Einsatz sind und auch die zwei im August zugesagten MIM-104 Patriot-Feuereinheiten wurden pünktlich an die Ukraine ausgeliefert.
Wie sich die Lieferverzögerung letztlich auf die Effizienz und Effektivität der ukrainischen Luftverteidigung im kommenden Winter auswirken wird, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass die Ukraine weiterhin auf eine kontinuierliche militärische Unterstützung angewiesen ist und die Bundesregierung in den kommenden Monaten liefern muss, was in diesem Jahr ausgeblieben ist.
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