Auch im gerade angebrochenen Jahr 2026 wird Deutschland die Ukraine erneut in ihrem Verteidigungskampf gegen die russische Armee umfangreich mit teilweise modernster militärischer Ausrüstung unterstützen.
Tatsächlich nimmt Deutschland seit dem Wegfall der meisten US-Hilfen im vergangenen Jahr erstmals zu Beginn eines neuen Jahres die Rolle des „größten Unterstützers“ der Ukraine ein – eine enorme Verantwortung!
Auch angesichts dessen hat die Bundesregierung unter der Leitung von Bundeskanzler Friedrich Merz die in diesem Jahr zur Verfügung stehenden Mittel für die militärische Unterstützung auf etwa 11,5 Milliarden Euro leicht erhöht. Mit geplanten Rückflüssen etwa über die European Peace Facility plant man mit insgesamt etwa 12 Milliarden Euro.
Zwar können damit weiterhin die Bedarfe der ukrainischen Armee nicht einmal ansatzweise vollständig erfüllt werden, gleichwohl steht dem Bundesministerium der Verteidigung damit wie bereits im vorherigen Jahr eine Rekordsumme zur Verfügung.
Doch was kann die Ukraine im laufenden Jahr an neuen Lieferungen erwarten? Fest steht, dass die Bundesregierung auch weiterhin an der Kommunikationsrichtlinie von Friedrich Merz festhält und nur sporadisch neue Informationen über die militärische Unterstützung der Ukraine veröffentlicht.
Gleichwohl kann ich anhand eigener Quellen und anhand von Informationen, welche sowohl vor längerer Zeit als auch kürzlich von der Bundesregierung und dem ukrainischen Verteidigungsministerium veröffentlicht wurden, eine grobe Liste der militärischen Ausrüstung erstellen, deren Lieferung für dieses Jahr geplant ist.
Klar sollte sein, dass es sich dabei wirklich nur um eine unvollständige Liste handelt und die militärische Unterstützung der Ukraine durch Deutschland weitaus umfassender sein wird.
Luftverteidigung
Wie schon in den vorherigen Jahren legt die Bundesregierung weiterhin einen Fokus auf die Modernisierung der ukrainischen Luftstreitkräfte, damit diese sich effektiv gegen die täglichen Angriffe Russlands mit Drohnen, Marschflugkörpern und Raketen zur Wehr setzen können.
Im Fokus steht insbesondere das von Diehl Defence vermarktete Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM, welches in der Ukraine bereits seit 2022 mit fast perfekten Abfangquoten brilliert.

Laut einer mit den Lieferungen vertrauten Quelle werden die von Deutschland finanzierten Lieferungen in diesem Jahr voraussichtlich auf dem gleichen Niveau bleiben wie im Jahr 2025.
Das bedeutet, dass die Ukraine mit mindestens drei, vielleicht vier IRIS-T SLM-Feuereinheiten rechnen darf. In jede Feuereinheit werden zusätzlich zwei IRIS-T SLS-Startgeräte integriert, welche aufgrund der leistungsschwächeren, aber auch deutlich günstigeren Lenkflugkörper insbesondere für die Abwehr von Drohnen eingesetzt werden, wenn andere Mittel nicht zur Verfügung stehen.
Nach Abschluss der Lieferungen würde die ukrainische Armee somit insgesamt 12 IRIS-T SLM-Feuereinheiten mit zusätzlich integrierten 24 IRIS-T SLS-Startgeräten befehligen.
Wie viele Lenkflugkörper im Laufe des Jahres an die Ukraine ausgeliefert werden, ist nicht bekannt. Klar ist jedoch, dass es sich um mindestens eine niedrige dreistellige Anzahl handeln wird, wahrscheinlich sogar um eine mittlere dreistellige Anzahl.
Zusätzlich dazu soll laut Verteidigungsminister Boris Pistorius auch eine »große Anzahl« von Lenkflugkörpern des Typs AIM-9 Sidewinder geliefert werden. Diese stammen aus Beständen der Bundeswehr und werden in der Ukraine unter anderem in den sogenannten „FrankenSAM-Systemen“ eingesetzt.
Auch die von Deutschland gelieferten kanonenbasierten Luftverteidigungssysteme – etwa die Flugabwehrkanonenpanzer Gepard und die Skynex-Systeme – werden neue Munitionslieferungen erhalten.

So wurde im Dezember 2024 ein von Deutschland finanzierter Vertrag zwischen dem Verteidigungsministerium der Ukraine und Rheinmetall geschlossen, welcher die Lieferung von insgesamt 180.000 Schuss HEI-T-Munition sicherstellt.
Eine unbekannte Anzahl davon soll im laufenden Jahr ausgeliefert werden, damit die Flugabwehrkanonenpanzer Gepard bzw. Cheetah das Jahr über ausreichend Munition zur Verfügung haben, um weiterhin effektiv insbesondere gegen russische Loitering Munitions zu wirken.
Auch die hochmodernen Luftverteidigungssysteme vom Typ Skynex, welche im Westen der Ukraine kritische Infrastruktur beschützen, werden mit Sicherheit im Laufe des Jahres neue Munitionslieferungen erhalten, auch wenn darüber aktuell keine öffentlichen Informationen zur Verfügung stehen.
Artillerie
Auch im Bereich der Artillerie wird sich in diesem Jahr einiges tun. So sollen dieses Jahr sowohl zusätzliche Artilleriesysteme des Typs Panzerhaubitze 2000, als auch die ersten RCH 155 ausgeliefert werden.
Insgesamt 18 neu produzierte PzH 2000 (inklusive Ersatzteile) wurden in einem im Februar 2024 angekündigten Unterstützungspaket zugesagt, deren Auslieferung in diesem Jahr beginnen und im nächsten Jahr abgeschlossen werden soll.

Die genaue Anzahl der PzH 2000, die in diesem Jahr ausgeliefert werden sollen, ist jedoch nicht bekannt. Für einen tatsächlichen Fähigkeitenaufwuchs dürfte es allerdings nicht reichen, sodass die zu liefernden Systeme „nur“ temporäre und permanente Verluste an der Front ausgleichen dürften.
Gleiches betrifft die hochmodernen RCH 155. Die ersten sechs Systeme, welche Teil einer Ende 2022 unter Vertrag genommenen Charge sind, sollten eigentlich im vergangenen Jahr an die Ukraine ausgeliefert werden.
Zwar wurde das erste Artilleriesystem im Januar vergangenen Jahres formal an die Ukraine übergeben und die Ausbildung am System in Deutschland gestartet, allerdings fand meines Wissens nach bis Ende des Jahres keine Lieferung in die Ukraine statt.
Noch vor wenigen Monaten wurde der damalige Geschäftsführer Ralf Ketzel von der ukrainischen Version der DW in einem Interview auf eine damalige Berichterstattung meinerseits angesprochen, welche sich auf erneute Lieferverzögerungen fokussierte.
Im August veröffentlichten Interview gab Ketzel bekannt, dass Tests und Ausbildungen am System dazu geführt haben, dass KNDS Deutschland diverse Änderungen an der RCH 155 vornehmen musste. Zusätzlich gab es Stand August immer noch technische Probleme, welche gelöst werden mussten. Auch stand zum damaligen Zeitpunkt noch eine Integration in das ukrainische Gefechtsführungssystem aus.
Über den aktuellen Stand des Projektes ist daher öffentlich nichts weiter bekannt. Allerdings wissen wir, dass die insgesamt 54 RCH 155, welche für sagenhafte 890 Millionen Euro unter Vertrag genommen wurden, mindestens bis 2027, wahrscheinlich sogar bis 2028 ausgeliefert werden sollen.

Es ist also äußerst unwahrscheinlich, dass in diesem Jahr eine höhere Anzahl ihren Weg in die Ukraine finden wird.
Zu jedem Artilleriesystem gehört natürlich auch einiges an Munition. Bislang hat die Bundesregierung verschiedenste Artilleriemunition der Kaliber 122mm (sekundär) und 155mm (primär) an die Ukraine geliefert.
Wie viel im vergangenen Jahr insgesamt geliefert wurde, ist dank der inzwischen nicht mehr ganz so neuen Kommunikationsrichtlinie der Bundesregierung nicht bekannt.
Geplant waren aber fast 500.000 Schuss Munition, von denen 120.000 Schuss nachweisbar bis April 2025 ausgeliefert wurden, sodass ich davon ausgehe, dass die Lieferungen in diesem Jahr in etwa auf dem gleichen Niveau bleiben werden, auch wenn sie sich noch mehr auf das Kaliber 155mm fokussieren werden, sofern keine zusätzlichen Verträge abgeschlossen wurden.
Zusätzlich zu Systemen und Munition werden natürlich auch weitere Ersatzteile produziert und ausgeliefert. Nennbar ist hier eine kontinuierliche Lieferung von Ersatzrohren für die PzH 2000, welche 2024 für einen dreistelligen Millionenbetrag unter Vertrag genommen wurden.
Drohnen
Nach modernsten Luftverteidigungssystemen und hocheffektiven Artilleriesystemen wenden wir uns jetzt den geplanten Lieferungen von verschiedensten Drohnensystemen zu.
Diese umfassen nennenswerterweise sowohl die Finanzierung der Produktion deutscher und ukrainischer Drohnen in Deutschland mit anschließender Lieferung an die ukrainische Armee als auch die Finanzierung der Produktion deutscher und ukrainischer Drohnen in der Ukraine.
Das Flaggschiff der deutschen Drohnenlieferungen ist weiterhin die Vector, welche vom deutschen Drohnenhersteller Quantum Systems hergestellt wird und bereits in den ersten Wochen und Monaten der vollumfänglichen russischen Invasion der Ukraine eingesetzt wurde.

Das Unternehmen teilte mir gegenüber mit, dass man auch im laufenden Jahr im Auftrag der Bundesregierung Vector-Aufklärungsdrohnen an die Ukraine ausliefern werde.
Zwar wollte man mir aufgrund der aktuellen Kommunikationsrichtlinie der Bundesregierung den geplanten Lieferumfang nicht nennen, allerdings dürfte es sich erneut um mindestens eine mittlere dreistellige Anzahl handeln.
Erstmals steht auch die Lieferung ukrainischer Drohnen an, welche außerhalb der Ukraine in Deutschland produziert werden. Gemeint sind damit die multifunktionalen Drohnen des Typs LINZA, welche an der Front unter anderem als „Bomber-Drohnen“ eingesetzt werden.
Hergestellt werden diese in einem Joint Venture zwischen Frontline Robotics und Quantum Systems (GAU berichtete). Auch hier habe ich eine offizielle Bestätigung erhalten, dass die Lieferungen bereits in diesem Jahr anlaufen werden.
Dazu kommen höchstwahrscheinlich weitere Einweg-Angriffsdrohnen des Typs AN-196 Liutyi. Mehr als 500 Stück finanzierte die Bundesregierung über einen im Juli 2025 geschlossenen Vertrag zwischen dem ukrainischen Verteidigungsministerium und der ukrainischen Rüstungsindustrie.
Zwar hat der damalige Leiter des Sonderstabes Ukraine im deutschen Verteidigungsministerium, Generalmajor Christian Freuding, im Juli 2025 bekannt gegeben, dass die Lieferungen noch im gleichen Monat anlaufen sollten, allerdings ist bislang nicht bekannt, ob die Lieferungen inzwischen abgeschlossen sind.

Ich persönlich halte es für wahrscheinlich, dass noch einige Systeme in diesem Jahr ausgeliefert werden könnten, weswegen ich sie hier auch kurz erwähnen wollte. Das betrifft ebenfalls die (wenig bekannten) von Deutschland finanzierten Abfangdrohnen.
Medizinische Ausrüstung und IT
Zum Abschluss des Artikels möchte ich noch auf ausstehende Lieferungen von medizinischer Ausrüstung und finanzieller Unterstützung im Rahmen der fortlaufenden Digitalisierung der ukrainischen Armee hinweisen.
So soll die Lieferung moderner Rettungsstationen, welche im August 2024 bei Rheinmetall unter Vertrag genommen wurden, bis Ende des Jahres abgeschlossen werden.
Stand Juli 2025 umfassen die noch ausstehenden Lieferungen insgesamt sechs Rettungsstationen. Jede einzelne Rettungsstation besteht aus drei Lkw-Zügen mit Anhängern, welche ein funktionales medizinisches Behandlungszentrum mit verschiedenen Bereichen – unter anderem für eine Triage, die Notfallversorgung, das Röntgen, einen OP-Saal und eine Intensivstation – enthalten.

Zusätzlich unterstützt die Bundesregierung die Ukraine auch weiterhin bei der fortlaufenden Digitalisierung der ukrainischen Armee.
So wurde im Oktober vergangenen Jahres eine Vereinbarung zwischen dem ukrainischen und dem deutschen Verteidigungsministerium unterschrieben, welche die Bereitstellung finanzieller Mittel für die Digitalisierung des ukrainischen Verteidigungssektors im Jahr 2026 bis 2028 sicherstellt.
Konkret geht es laut ukrainischem Verteidigungsministerium um die Bereitstellung von finanziellen Mitteln, welche die Entwicklung, das Testen und die technische Wartung der Apps „Army+“ und „Reserve+“ und die Funktionserweiterung, Skalierung und den Schutz der Infrastruktur des Gefechtssystems DELTA unterstützen.
Auch sollen mit den Mitteln unter anderem das digitale Ökosystem und das Cyber Incident Response Centre des ukrainischen Verteidigungsministeriums ausgebaut werden.
Fazit
Abschließend kann gesagt werden, dass Deutschland die Ukraine auch im aktuellen Jahr umfangreich mit effektiver und modernster militärischer Ausrüstung unterstützt.
Während wir hier einen Überblick über die – mit einigen wenigen Ausnahmen – öffentlich bekannten Lieferungen erhalten, stellt dies dennoch nur einen Bruchteil der tatsächlich in Planung befindlichen Lieferungen dar.
So dürfte es beispielsweise auch selbstverständlich sein, dass die Lieferung weiterer Munitions- und Ersatzteilpakete für die von Deutschland gelieferten Waffensysteme und Fahrzeuge wie Leopard 1A5, Leopard 2A6, Marder 1A3, Bergepanzer 2, WiSENT 1 MC und mehr geplant ist.
Allerdings wollte ich im Laufe des Artikels nicht zu sehr auf diese Lieferungen eingehen, da ich mich mehr auf Fakten als auf Spekulationen – egal wie wahrscheinlich diese sind – konzentrieren wollte.
Fakt ist, dass wir im Laufe des Jahres mit großer Wahrscheinlichkeit viel mehr Details über die militärische Unterstützung der Ukraine durch Deutschland erhalten werden.
Insbesondere das ukrainische Verteidigungsministerium gibt seit dem Wechsel der Kommunikationsstrategie der Bundesregierung des Öfteren Auskunft über Unterstützungsleistungen, welche von deutscher Seite aus geheim gehalten wurden.
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