Noch nie zuvor habe ich erlebt, dass ein weltweit anerkannter Rüstungskonzern – eines der wertvollsten Unternehmen Deutschlands – innerhalb so kurzer Zeit derart heftiger Kritik ausgesetzt war. Kritik, die mittlerweile sogar auf höchster Regierungsebene öffentlich geäußert wird.
Auslöser für die Welle negativer Reaktionen – die mittlerweile nur noch als regelrechter Shitstorm gegen Rheinmetall bezeichnet werden kann – waren lediglich ein paar Sätze des Vorstandsvorsitzenden Armin Papperger, die in einem Artikel der US-Zeitschrift „The Atlantic“ zitiert wurden.
Die Nutzung einfacher FPV-Drohnen gegen schwere gepanzerte Fahrzeuge auf dem Schlachtfeld in der Ukraine sei nichts anderes als »Spielen mit Lego«, und von fehlender Innovation und einem Hausfrauenvergleich war die Rede.
Es sind äußerst kritische Äußerungen, die einen offenen Affront gegen insbesondere die ukrainische Drohnenindustrie darstellen. Ein verbaler Fauxpas, der so in keiner Weise zu entschuldigen ist. Aber vor allem sind es ungewohnte Worte, die mich sehr stutzig gemacht haben.
Schließlich ist Papperger – egal, was man von ihm auf persönlicher Ebene halten mag – bislang ausschließlich als Freund der Ukraine aufgetreten und Rheinmetall als Unternehmen ist einer der wichtigsten Rüstungspartner des Landes, welches sich seit inzwischen mehr als vier Jahren mutig und entschlossen gegen einen russischen Aggressor wehrt.

Auch angesichts dessen habe ich interessiert noch am Samstag bei Rheinmetall nachgefragt und um eine Erklärung gebeten.
Während der in Düsseldorf ansässige Rüstungsriese mit einer öffentlichen Stellungnahme auf X (ehemals bekannt als Twitter) zunächst um Schadensbegrenzung bemüht war, erhielt ich heute Morgen das Angebot, spontan mit dem Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Rheinmetall zu telefonieren.
Zitieren darf ich aus unserem knapp viertelstündigen Gespräch nicht viel, allerdings wurde mir relativ schnell klar, dass es immer zwei Seiten einer Medaille gibt. Auch hat das Unternehmen viele lobende Worte für die Errungenschaften der Ukraine übrig. So habe man größten Respekt vor den enormen Anstrengungen des ukrainischen Volkes, und dessen Innovationskraft sei für Rheinmetall eine Inspiration.
Nach unserem Gespräch habe ich den Eindruck, dass die Aussagen Armin Pappergers in dem Artikel zumindest teilweise ohne ausreichenden Kontext zitiert wurden.
Vor allem im Bereich der Kleinstdrohnen (Klasse 1) hat die Ukraine laut meinem Gesprächspartner sehr viel erreicht. Seit Jahren setzt die ukrainische Armee diese mit großem Erfolg millionenfach gegen russische Ziele ein und verursacht so mittlerweile einen Großteil der russischen Verluste auf dem Schlachtfeld. Dem sei sich auch Papperger bewusst.
Nicht ohne Grund sollen erfahrene ukrainische Soldaten künftig Bundeswehrangehörige im Umgang mit den von Drohnen ausgehenden Risiken sowie in anderen Bereichen mit Bezug zu Drohnen schulen, während diverse europäische Unternehmen wie das deutsche Quantum Systems mittlerweile sogar ukrainische Drohnentechnik über Joint Ventures (QFI) im Ausland auf Lizenz produzieren.
Allerdings sei dies eben nicht die Domäne von Rheinmetall, das der ukrainischen Armee bislang vorzugsweise mit der Lieferung von verschiedenster Munition, gepanzerten Fahrzeugen, Logistikfahrzeugen und Aufklärungs- und Flugabwehrsystemen geholfen hat.
Erwähnt werden diese Unterstützungsleistungen in dem Artikel der Zeitschrift „The Atlantic“ mit kaum einem Wort, während Papperger – so liest es sich zumindest – sich fast ausschließlich zu etwas äußern musste, was nur bedingt etwas mit Rheinmetall und dessen Unterstützung für die Ukraine zu tun hat.
Auch ebendarum scheint es mir so vorzukommen, als hätte der Autor bereits vor dem Gespräch mit Papperger ein klares Ziel vor Augen gehabt. Dazu hat er natürlich das Recht, allerdings wird es den Vorstandsvorsitzenden sicherlich auch einiges an Nerven gekostet haben. Eine weitere mögliche Erklärung, für die mehr als unglückliche Wortwahl.
Gleichwohl bleiben seine Aussagen wohl auf absehbare Zeit im Gedächtnis vieler Ukrainer und deren Unterstützer. Angesichts der täglichen Anstrengungen, der schlaflosen Nächte und der schweren Verluste, die sie unter Freunden und Familienangehörigen erlitten haben, kann man es ihnen auch nicht übel nehmen.
Ob dies einen großen Einfluss auf zukünftige Ukraine-Geschäfte des deutschen Rüstungsunternehmens haben wird, wage ich aber zu bezweifeln. Dafür ist Rheinmetall für die Verteidigung der Ukraine viel zu wichtig.
Das Unternehmen ist unter anderem eine der Hauptquellen für Artilleriemunition des Kalibers 155mm, der einzige Lieferant von 35mm-Munition für die von Deutschland und den USA gelieferten FlakPz Gepard und Cheetah PRTL, sowie der Skynex-Feuereinheiten, welche in der Ukraine weiterhin essenziell für die Verteidigung von Städten und kritischer Infrastruktur gegen russische Drohnenattacken sind.
Aber auch bei der Lieferung, Wartung und Reparatur westlicher Fahrzeuge wie dem SPz Marder, dem KPz Leopard 1 und hunderten HX-Lkws spielt Rheinmetall eine zentrale Rolle.
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